Essen als Sucht
Freitag 14. März 2008 von admin
Das Experiment ist eine Qual für die Probanden. Acht Stunden lang bekommen sie nichts zu essen, und nun zeigen ihnen die Wissenschaftler Bilder von Spaghetti, Hähnchen und Schokolade. Anschließend dürfen die Teilnehmer sich den Bauch vollschlagen, und die Bilder werden ihnen noch einmal gezeigt. Dabei messen die Forscher um Kevin Le Bar von der Duke University in North Carolina die Gehirnaktivität der Probanden. Das Ergebnis: Bei den hungrigen Patienten ist der Mandelkern, das Zentrum der Urgefühle des Menschen, auf dieselbe Weise aktiv wie bei Kokainabhängigen.
Ein noch eindeutigeres Indiz dafür, dass Nahrungsmittel wie Drogen wirken können, findet sich im Belohnungszentrum des Gehirns. Nervenzellen im Mittelhirn sondern den Botenstoff Dopamin ab. Die Folge sind Glücksgefühle. Sieht ein Hungriger ein Steak, ist eine wahre Dopaminschwemme die Folge genau so wie sie Kokain verursacht.
Inzwischen essen Menschen so viel, dass bereits eine messbare Reizüberflutung im Gehirn stattfindet. Weil die Dopaminproduktion durch den ständigen Genuss so stark angekurbelt wird, reduziert das Gehirn im Gegenzug die Anzahl der Rezeptoren, die den Botenstoff wahrnehmen, um die Überdosis an Glück überhaupt verarbeiten zu können. Wissenschaftler bewiesen: Je höher das Körpergewicht, desto geringer die Anzahl der Rezeptoren. Und hier beginnt der Teufelskreis. Um nämlich jetzt noch ein gleichwertiges Wohlgefühl zu erzeugen, müssen die Betroffenen mehr essen, damit dieselbe Dopamin-Wirkung wie vorher wahrgenommen wird.
Sucht, Gewalt, Krankheiten die negativen Auswirkungen unseres Essverhaltens legen den Schluss nahe, dass wir die Nahrungsaufnahme am besten ganz einstellen sollten, wäre da nicht unser energiefordernder Körper. Doch die Manipulationsmacht des Essens hat eine weitere Facette. Nahrungsmittel haben neben der Lebenserhaltung durchaus auch positive Auswirkungen: Bei Michael und Christopher Parker ist alles gleich, Aussehen, Temperament, Intelligenz. Die beiden Fünfjährigen sind eineiige Zwillinge. Exzellente Bedingungen für ein Experiment. Der Kinderpsychologe Jim Stevenson von der Universität Southampton entzog Michael Süßstoffe, Geschmacksverstärker und Farbstoffe ansonsten bekam er die gleichen Speisen wie sein Bruder. Die Folgen bemerkte nicht nur die Mutter: Michael war im Versuchszeitraum deutlich ausgeglichener und schnitt plötzlich bei Intelligenztests um 15 Prozent besser ab. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Zwillingsstudien, in denen den jungen Probanden Vitamine verabreicht wurden. Diese Experimente mit Kindern im Schulafter führten bereits dazu, dass an zahlreichen Schulen in den USA Vitaminpräparat verteilt werden.
Kategorie: Gesundheit | Keine Kommentare »