Samstag 15. März 2008 von admin
Während das Erdöl weltweit knapp wird, hat der Kampf um die letzten Ressourcen begonnen. Zugleich tobt ein beispielloser Technologie-Wettbewerb: Forscher und Nationen streiten um neue Energie.
Die Vorstellung ist unglaublich: zwei riesige Spiegel, jeder fast neun Quadratkilometer groß. Sie lenken Licht auf zwei Solarzellenfelder, beide mit einem Durchmesser von 1,25 Kilometern, dazu eine Antenne zur Energieübertragung mit einem Durchmesser von 1800 Metern. Eine solche Anlage von der Größe einer Kleinstadt wäre schon auf der Erde eine fantastische Ingenieursleistung. Aber die japanische Weltraumagentur JAXA will dieses Super-Solarkraftwerk im Weltraum bauen. „Das ist unsere einzige Option für eine stabile, saubere Energieversorgung in der Zukunft”, sagt Masahiro Mori von JAXA. „Die Energie strahlen wir in Form von Hochenergie-Mikrowellen nach unten.”
Amerika macht den Ölpreis zur Geheimwaffe
100 Dollar pro Barrel - das ist der Untergang der Ölscheichs
Solche geradezu verzweifelten Ideen belegen, dass im Moment die aberwitzigsten Pläne Befürworter finden, wenn sie die Erschließung neuer Energiequellen versprechen. Kein Wunder, die Welt steckt mitten in einer völligen Umgestaltung des Energiemarkts. „Das neue Motto der USA lautet: Wenn wir die Scheichs nicht erobern können, ruinieren wir sie eben”, sagt der amerikanische Konflikt- und Energieforscher Edward Chow, „Und die Waffe dabei ist der Ölpreis.” Der liegt momentan um die 100 Dollar pro Barrel. Warum das so ist, wissen die Ölgroßhändler, aber sie sprechen nur hinter vorgehaltener Hand darüber: „Es sind Spekulanten, geheimnisvolle Fonds aus den USA, die massiv Öl kaufen und den Preis hochtreiben.” Grund zur Freude am Golf? Keineswegs, der hohe Ölpreis ist gefährlich für die OPEC-Nationen. Deren Herrscher befürchten jetzt, dass der Ölpreis eine magische Schwelle überschreitet. Auch deutsche Experten sind davon überzeugt, dass der Ölpreis die Welt verändern wird: „Nun wird es umso wichtiger für die Weltwirtschaft, nach neuen Energiequellen oder trägern zu suchen. Hier zeigt sich erst recht, welche Chancen ein Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel bietet. Überall wird, durchaus mit Erfolg, fieberhaft an Alternativen zu den fossilen Energieträgern geforscht”, sagt der Ökonom Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts.
Unser Körper wird zur Energiequelle
Wärme und Bewegung lassen sich in Strom verwandeln
Es gibt unzählige Möglichkeiten für neue Energiequellen. Eine ist unser eigener Körper, Aus ihm wollen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen in Erlangen Energie ziehen. Sie setzen auf den thermoelektrischen Effekt, der Körperwärme direkt in Strom umwandelt, etwa für Handys oder MP3-Player. „So könnten wir ganze elektronische Systeme bauen, die keine interne Batterie benötigen, sondern allein durch Körperwärme ihre Energie gewinnen”, sagt der Fraunhofer-Forscher Peter Spies. Ganz gewaltig verändern muss sich in Zukunft das Auto. Sein Antrieb ist eine überholte Technik: Bei einem Ottomotor fließen höchstens knapp 40 Prozent der Energie aus dem Sprit in die Bewegung des Autos. Der Rest geht als Wärme verloren oder wird geschluckt von den beweglichen Teilen der Maschine. Es gibt eine wesentlich bessere Alternative: den Elektromotor. Er hat einen sehr hohen Wirkungsgrad und setzt bis zu 99,5 Prozent der Energie in Bewegung um. Das kann ein Verbrennungsmotor nie schaffen. Und an der Leistung mangelt es auch nicht, das beweist ein Blick auf die Schiene. Alle Superschnellzüge wie ICE oder TGV fahren mit Elektromotoren und erreichen dabei Geschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde. Im Jahr 2050 erzeugt jeder von uns Energie. Dazu sollen etwa sogenannte Mini-Blockheizkraftwerke beitragen. Sie werden statt der Heizung im Keller installiert und produzieren neben Wärme noch Strom. Energie wird uns umgeben wie eine Wolke, die wir ständig anzapfen, die wir aber auch ständig selbst erneuern. Noch ist kaum absehbar, welche Potenziale in der neuen Energiewelt stecken.
Können diese Energielieferanten das Öl ersetzen?
Können wir die Erdwärme anzapfen?
Im Inneren unseres Planeten befindet sich ein ungeheurer Energievorrat. Mit dem so genanten Hot-Dry-Rock-Verfahren lässt sich fast überall die Hitze der Erde aus der Tiefe ziehen. Dafür wird Wasser mit Hochdruck ins heiße Tiefengestein gepresst. Das erhitzte Wasser wird wieder nach oben gepumpt, wo es zuerst ein Geothermie-Kraftwerk antreibt und dann in Heizungen genutzt wird.
Das Kernfusionskraftwerk
In der Sonne verschmelzen Wasserstoffatome zu Helium und setzen Energie frei. Diesen Prozess wollen Physiker kopieren und bauen dafür gerade den Versuchsreaktor ITER in Frankreich. Wenn das Experiment im Kernfusionskraftwerk gelingt, stehen riesige Energiemengen zur Verfügung.
Fahren unsere Autos bald mit Metall?
Die Idee kommt aus der Schweiz: Wenn das Metall Zink mit Wasser reagiert, wird der Kraftstoff Wasserstoff frei. Damit können Autos angetrieben werden. Einziger Abfall: Zinkoxid. Der Stoff lässt sich mit Sonnenenergie wieder in Zink verwandeln. Es entsteht ein geschlossener Kreislauf.
Wird Treibhausgas zu Plastik?
Auch die Kunststoffproduktion verbraucht Rohöl. Doch das US-Unternehmen Novomer will Plastik aus CO2 erzeugen. Dabei soll ein Katalysator bewirken, dass das Treibhausgas mit einem zweiten Stoff reagiert. Das Endprodukt ist ein Kunststoff, der sogar biologisch abbaubar ist.